Mit The Witcher: Polaris (oft fälschlicherweise als „The Witcher 4“ betitelt) öffnet CD Projekt Red das nächste große Kapitel ihres Dark-Fantasy-Universums. Nachdem die Trilogie rund um Geralt von Riva ihren krönenden Abschluss fand, wagt das polnische Entwicklerstudio den Neuanfang: Eine neue Hexer-Schule, ein unbekannter Kontinenteil und der konsequente Wechsel auf die Unreal Engine 5. Wir haben uns die ersten 30 Stunden des Epos ganz genau angesehen.

Der Orden der Polaris: Eine neue Generation von Monsterausrottern
Im Zentrum der Erzählung steht Kael Mondain, ein frisch ausgebildeter Hexer des mysteriösen „Ordens der Polaris“ – einer im hohen Norden angesiedelten Schule, die sich auf das Studium arkaner Anomalien und den Kampf gegen übernatürliche Phänomene spezialisiert hat. Das Setting rückt ab vom klassischen, kriegsgebeutelten Norden aus The Witcher 3 und führt uns in die zerklüfteten, eisigen Gebirge von Kovir und Poviss sowie das Grenzland zum unwirtlichen Nordmeer.
Die erzählerische Dichte ist vom Start weg beeindruckend. Die Quests sind gewohnt moralisch grau, frei von simpel gestrickten Helden und Bösewichten. Kael ist als Protagonist weniger stoisch als Geralt: Er wird von den Lehren einer sterbenden Schule geprägt und muss in einer Welt bestehen, die Hexer nicht nur fürchtet, sondern aufgrund des technologischen Fortschritts langsam für überflüssig hält.
Unreal Engine 5: Eine Spielwelt, die atmet
Der Wechsel von der hauseigenen REDengine zur Unreal Engine 5 hat sich ausgetahlt. Die offene Welt von Polaris gehört zum grafisch Beeindruckendsten, was der Rollenspielmarkt 2026 zu bieten hat. Nanite-Geometrie ermöglicht Weitsichten auf schneebedeckte Berggipfel ohne erkennbare Qualitätsverluste, während das Lumen-Beleuchtungssystem für dramatische Sonnenuntergänge in tiefen Kiefernwäldern sorgt.
Besonders die Wetter- und Umweltsimulation hat es uns angetan. Schwerer Schneefall beeinträchtigt nicht nur unsere Bewegungsgeschwindigkeit, sondern auch die Fährtenlese-Mechanik im Hexersinn. Monster hinterlassen sichtbare Blut- und Schleimspuren im tiefen Schnee, die bei Sturm allmählich verwehen – die Welt reagiert in Echtzeit auf uns und ihre Bewohner.
Das Kampfsystem: Dynamisch, vertikal und magisch anspruchsvoll
Das Kampfsystem wurde rundum erneuert und spielt sich deutlich responsiver als in den Vorgängern. Die klassische Kombination aus schnellen und schweren Schwertstreichen wurde durch ein agileres Ausweichsystem und vertikale Manöver erweitert. Da die Polaris-Schule arkanes Wissen fokussiert, spielen die Hexer-Zeichen eine weit zentralere Rolle.
Zeichen lassen sich nun dynamisch miteinander kombinieren: Ein gezieltes Aard-Druckwellen-Zeichen auf eine zuvor mit Igni entzündete Giftwolke löst verheerende Kettenreaktionen aus. Auch das Alchemie- und Trank-System wurde überarbeitet: Tränke müssen nun strategischer vor den Kämpfen vorbereitet werden und erfordern eine genaue Kenntnis über das jeweilige Bestiarium des Gegners.
